Unsere Arbeitsweise

Spielende Kinder sind lebendig gewordene Freuden (Friedrich Hebbel)

Aus unserer wissenschaftlichen und langjährigen praktischen Tätigkeit wissen wir um die Probleme, die mit einer Trennung und Scheidung einhergehen und welche Konsequenzen diese für Eltern und Kinder haben können.

Im Vordergrund steht bei unserer Begutachtung in Familienangelegenheiten stets das Kind mit seinen spezifischen Bedürfnissen und Interessen. Die psychologischen Verfahren, die diagnostisch zur Anwendung gelangen, sind auf den jeweiligen Fall bezogen, wissenschaftlich abgesichert, entstammen der Bindungsforschung, der Entwicklungspsychologie und der Kinderspieltherapie. Wir arbeiten lösungsorientiert, das heißt, Ziel der Arbeit mit den Eltern ist es, nach konstruktiven Konfliktlösungen zu suchen, wobei wir stets die Elternverantwortung hervorheben. Die Wahrung der Kindeswohlinteressen erscheint uns nur möglich, wenn auch das Familienwohl des gesamtfamiliären Systems betont wird. Die Methoden der Elternarbeit entspringen ebenfalls der generationsübergreifenden Bindungsforschung, sowie der systemischen Familientherapie.

Bei der Begutachtung werden mit den Familien mehrere Termine vereinbart, die sowohl in unserer Praxis (Regensburg: zentrale Lage neben dem Bahnhof; München: 10 Fußminuten vom Sendlinger Tor entfernt) als auch in den Familien stattfinden.

Wir bemühen uns, die Aufträge innerhalb von drei bis vier Monaten zu bearbeiten (siehe auch: Dauer der Erstellung von Gutachten). Bei umfangreicheren Fällen mit großen Familien und bei gemeinsamen Gesprächen arbeiten wir gerne zu zweit.

Auf Wunsch bieten wir auch Mediation an, eine stark am Kindes- und Familienwohl orientierte psychologische und soziale Beratung mit dem Ziel, Kompromisse schon vor der gerichtlichen Scheidung vorzubereiten.

In Fällen, in denen wir beraten, erstellen wir keine Gutachten, weil sich dies nur schlecht mit der Schweigepflicht vereinbaren lässt. Wir erstellen auch keine Gutachten, die nur eine Partei oder eine Privatperson in Auftrag gegeben hat (keine Parteiengutachten), allerdings schon durch Gerichte in Auftrag gegebene Methodenkritiken.

Neben der Gutachtenerstellung steht unser Team Richter/innen, Rechtsanwälten/innen und Mitarbeitern/innen der Jugendämter für Anfragen und Beratung gern zur Verfügung.

Das PGB-Team hat sich zu fachlicher Fortbildung und gegenseitiger Supervision verpflichtet und hält seine Tätigkeit durch Kongressbesuche, Tagungsbeiträge und wissenschaftliche Veröffentlichungen in einschlägigen Fachorganen auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Qualitätssicherung erfolgt auch durch Supervision. Ein Teil der Mitarbeiter/Innen sind öffentlich bestellte und staatlich beeidigte Sachverständige für forensische Psychologie, ein Teil Fachpsychologen für Rechtspsychologie, einige beides; alle anderen befinden sich in der Weiterbildung zum Rechtspsychologen (vgl. „Unser Team“).

Wie ein Gutachten in Familienangelegenheiten entsteht

Nachdem wir den Auftrag durch ein Familiengericht erhalten haben, wird dies zunächst dem Gericht bestätigt und angegeben in welchem Zeitraum mit der Fertigstellung des Gutachtens zu rechnen ist. Mit selben Datum werden die Parteien angeschrieben und gebeten, sich bei uns zu melden.

In der Folge werden dann zunächst Einzelgespräche mit den Erwachsenen, in der Regel Vater und Mutter, bei uns in der Praxis geführt und dabei weiteres Vorgehen besprochen, z.B. wann und wo die Kinder exploriert werden können. Es erfolgen dann Einzelgespräche mit den Kindern und auch Eltern-Kind-Interaktionsbeobachtungen in Alltags- und Spielsituationen. Gespräche mit weiteren Beteiligten (Großeltern, Stiefeltern, neue Partner und Stiefgeschwister, manchmal auch Lehrern oder Kindergärtnerinnen) ergänzen die Datenerhebung. Testverfahren und Fragebögen, die zum Einsatz kommen sind wissenschaftlich abgesichert. Wenn beide Eltern dazu bereit sind, findet ein gemeinsames Elterngespräch statt, bei dem den Eltern die Situation ihres Kindes oder ihrer Kinder aus Sachverständigensicht geschildert wird und den Eltern nochmals die Möglichkeit gegeben wird, eigenständig eine Lösung zu finden (lösungsorientiertes Vorgehen). Gelingt dies den Eltern, so wird dieser gemeinsame Elternvorschlag schriftlich durch den Sachverständigen an das Gericht weitergeleitet. Gelingt es nicht, so formuliert der Sachverständige einen Vorschlag für das Familiengericht aus und beschreibt im Gutachten alle Daten und Erkenntnisse, auf die er seinen Vorschlag stützt (entscheidungsorientiertes Vorgehen). Das Gutachten soll für alle Beteiligten lesbar und nachvollziehbar sein und enthält deshalb auch stets einige theoretische Ausführungen und Erklärungen. Das schriftliche Gutachten geht in drei- bis achtfacher Ausfertigung an den Auftraggeber, der es dann an die Beteiligten zur Stellungnahme herausgibt. In der Regel ergeht dann ein Beschluss durch das Familiengericht.

Aussagepsychologische Begutachtung

Hierbei werden nach Auftrag des Amtsgerichtes, Landgerichtes oder der Staatsanwaltschaft oftmals Sachverständige schon bei den ersten Befragungen der Zeugen durch die Polizei oder das Gericht mit herangezogen. In der Regel umfasst eine Begutachtung eine mindestens zweimalige Befragung des Zeugen durch den Sachverständigen und kommen eine Reihe von altersangemessenen psychologischen Testverfahren zur Anwendung. Die Befragungen finden entweder in der Praxis statt oder anlässlich von Hausbesuchen oder an neutralen Orten, wie Schule oder Kindergarten. Zusätzliche Befragungen finden mit Personen statt, die Auskunft über den Entwicklungsverlauf und das Verhalten des (kindlichen) Zeugen machen können und ergänzen somit die Datenerhebung.

Wird ein Kind zu früh mit den Formen der Erwachsenensexualität konfrontiert, so erfolgt eine Stimulierung des kindlichen Körpers, mit der das Kind weder emotional noch rational adäquat umgehen kann. Gefühle werden am falschen Ort zur falschen Zeit von der falschen Person geweckt, die Vorfälle erhalten traumatisierenden Charakter. Durch sexuellen Missbrauch werden viele Persönlichkeitsbereiche des Individuums beeinträchtigt, möglicherweise kann die gesamte Zukunfts- und Lebensplanung beeinflusst werden.

Eine Begutachtung muss stets sehr vorsichtig und einfühlsam geschehen. Sie erfolgt bei uns in spielerisch-diagnostisch-therapeutischer Atmosphäre mit einer Reihe von Medien und verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten; die verbalen Einlassungen der Zeugen werden aufgezeichnet. Auch die Faktoren Zeit, Geduld und Vertrauen spielen eine große Rolle. Unsere Methoden entstammen der allgemeinen Psychologie (Wahrnehmung, Sprache, Denken, Lernen und Gedächtnis), konzentriert auf die Psychologie der Zeugenaussage, mit Schwerpunkt auf der kriterienorientierten Inhaltsanalyse und werden mit gängigen klinischen Verfahren kombiniert; die Verfahren werden beschrieben, ihre Auswahl begründet. Das Vorgehen und die Auswertung erfolgt hypothesengeleitet.

Bei der Begutachtung von Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage gilt es zudem einen Rahmen zu schaffen, in dem u.U. eine ehemalige Falschbeschuldigung auch noch rückgängig gemacht werden kann.

Explorationen und Befragungen können jederzeit videographiert werden.

Durch Zusammenarbeit mit anderen einschlägigen Stellen, durch Fortbildung bei Kongressen und Tagungen und durch Aufarbeitung der neuesten Literatur halten wir unser Wissen auf diesem Gebiet auf dem neuesten Stand. Gegenseitige Supervision und Teambesprechungen verhindern einseitige Sichtweisen.

Aussagepsychologische Gutachten werden von Frau Ammer, Frau Dittrich, Frau Graßmann, Frau Walter und Frau Günther-von Jan erstellt, familienpsychologische Gutachten durch Frau Dr. Schwabe-Höllein, Frau Ammer, Frau Dr. August-Frenzel, Frau Dr. Bernard, Frau Brehm, Frau Dittrich, Frau Graßmann, Frau Günther-von Jan, Frau Hausbeck, Herrn Dr. Kindler, Frau Lentfer, Frau Schena, Herrn Schmirl, Frau Dr. Seiser und Frau Walter bearbeitet. Qualitätssicherung erfolgt durch kollegiale Supervision.

Ein Wort zur Dauer der Erstellung von Gutachten

Manchmal werden wir vor Auftragserteilung gebeten, ein Gutachten möglichst schnell zu erstellen. Hierzu ist anzumerken: In der Regel bemühen wir uns, Familiengutachten in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten zu erstellen (Beginn der Datenerhebung bis Versendung des Gutachtens). Nach Auftragserteilung wenden wir uns umgehend an die Parteien und bitten um Terminvereinbarungen; nach der Datenauswertung und Erstellung der schriftlichen Fassung (ca. 1–2 Wochen), verbringt das Gutachten noch ca. eine Woche im Schreibbüro (Anfertigung von Erstfassung und Korrektur) bevor es zu Gericht geht. Bei aussagepsychologischen Gutachten werden zwischenzeitlich noch die Gesprächsprotokolle erstellt, was mindestens eine weitere Woche in Anspruch nimmt.

Dennoch dauert es manchmal erheblich länger.

Dies kann unterschiedliche Gründe haben: mal sind Beteiligte oder Zeugen unauffindbar verzogen, melden sich nicht oder sind arbeits- oder urlaubsbedingt erst nach mehreren Wochen bereit, einen Termin wahrzunehmen. Auch kann es sein, dass während der Begutachtung Komplikationen auftreten, die eine Erweiterung des Auftrages bedingen und weitere Untersuchungstermine fordern. Manchmal einigen sich die Beteiligten nach einigen Wochen und bitten um ein Abschlussgespräch, das aus verschiedenen Gründen erst einige Zeit später stattfinden kann. In manchen Fällen muss man abwarten, wie z.B. Umgangskontakte verlaufen, wie sich wieder Vertrauen im Kind entwickelt oder überprüfen, ob die elterliche Flexibilität wächst (lösungsorientiertes Vorgehen). Und manchmal kann es auch notwendig sein, ein Hilfeplangespräch mit ver-schiedenen, mit einer Familie befassten Institutionen gemeinsam zu führen, was wiederum die Notwendigkeit zu Terminabsprachen bedingt.

Zudem kommt es immer wieder vor, dass wir die Gutachtenerstellung nicht unmittelbar beginnen können, sondern erst nach einer gewissen Frist, in welcher vorangegangene Gutachten noch fertiggestellt werden müssen.

Treten solche Fälle ein, teilen wir die Verzögerung stets schriftlich dem Gericht mit.